MAZ: Medizinische Hochschule wächst weiter

Märkische Allgemeine vom 05.10.2018

Die Medizinische Hochschule MHB wächst, derzeit gibt es 390 Studenten, ab April 2020 beginnen 72 statt 48 angehende Mediziner gleichzeitig. Und in Potsdam wächst etwas Konkurrenz heran.

Brandenburg/H

Die Medizinische Hochschule Brandenburg MHB wächst beständig: Seitdem an diesem Freitag 70 angehende Psychologen am Standort Neuruppin ihr Studium begonnen haben, gibt es nunmehr insgesamt 390 Studenten der Humanmedizin und der Psychologie an der 2014 gegründeten Bildungseinrichtung. Letztere bleiben in der Fontanestadt, die angehenden Mediziner wechseln nach zwei Jahren hierher in die Havelstadt. Ab Frühjahr 2020 werden sogar 72 statt 48 Medizinstudenten zum Sommersemester eingeschrieben, kündigt Gabriele Wolter, Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums Brandenburg an. „Wir verfolgen unser Konzept des praxisbezogenen Lernens mit kleinen Gruppen von jeweils acht Studenten konsequent weiter und werden nach der erfolgreichen Anlaufphase auch mehr Studenten verkraften können.“

Dass ausgerechnet nun in Potsdam direkte Konkurrenz in Form einer rein privat getragenen Medizinischen Hochschule in Kooperation mit dem Klinikum Ernst von Bergmann entsteht, bereite ihr wenig Kopfschmerzen. „Wir setzen darauf, für das Land Brandenburg Mediziner auszubilden, der erste Jahrgang ist gerade landesweit verteilt auf verschiedene Häuser zu den jeweiligen Praxissemestern. Uns geht es um eine personalisierte Medizinerausbildung für die Region, andere setzen auf das Metropolenkonzept“, sagt Gabriele Wolter.

Hintergrund ist, dass die Hamburger Hochschulunternehmerin Ilona Renken-Olthoff die einst der Industrie- und Handelskammer Potsdam gehörende Villa Carlshagen auf dem Sportareal an der Zeppelinstraße gekauft hat und zu einer privaten Gesundheits-Hochschule, der Health and Medical University Potsdam (HMU), ausbauen will. Die Unternehmerin hat 2010 auch in Hamburg eine Medical School gegründet mit einer praxisorientierten Gesundheitsfakultät als Fachhochschule und einer humanwissenschaftlichen Fakultät als universitätsgleiche wissenschaftliche Hochschule; auch sie ist staatlich anerkannt. Zudem betreibt Ilona Renken-Olthoff bereits die Medical School Berlin (MSB) und die Business School Berlin (BSP).

Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) sieht „kein Problem, bei dem Bedarf, den es an ausgebildeten Ärzten gibt. Wenn überhaupt, gibt es vielleicht eine Konkurrenz beim Berufen von Professoren und Lehrkräften“. In Berlin gibt es jedes Jahr etwa 300 Medizinstudienplätze, an der MHB bislang 48, da seien geplanten 80 bis 90 Plätze an der MHU keine Konkurrenz.

Die MHB habe jüngst 700 Studienbewerber gehabt, von denen man 93 Prozent wegschicken musste.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher will nach Gesprächen mit Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) den Zulassungsprozess für die neue MHU Potsdam genau verfolgen, schließlich müsse die wie die hiesige MHB auch ein Akkreditierungsverfahren beim Land durchlaufen. Zudem verfolge die neue Einrichtung noch das eigentlich überholte Konzept des Regelstudiengangs mit Frontalunterricht. Laut dem deutschen Fakultätenrat müsse ohnehin ab 2022 auf Modellstudiengänge gewechselt werden.

Von André Wirsing

Quelle http://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Medizinische-Hochschule-Brandenburg-an-der-Havel-MHU-Potsdam